Nerdlich der Mitte Synthesizer Treffen 2016

Bericht über ein kleines, aber feines Synthesizer-Treffen namens „Nerdlich der Mitte“ – der Norden schraubt.

Anfang März 2016 fand sich zum zweiten Mal eine Reihe von Synthesizerfans zu einem Treffen in der „Hollager Mühle“ in Wallenhorst nördlich von Osnabrück zusammen. Das erste „Nerdlich der Mitte“ war im letzten Jahr schon sehr wohlwollend aufgenommen worden, sodass direkt im Anschluss schon der Termin fürs zweite Treffen festgezurrt worden war.

Da in dem Pavillon der Jugendfreizeitstätte nur begrenzt Platz zur Verfügung stand, stand das Treffen unter dem Motto „Kleines Equipment, großer Sound“. Die Teilnehmer hatten sich zum großen Teil ein Setup zusammengestellt, das einerseits wenig Platz brauchte, aber für die geplante Reihe von Live-Performances am Samstagabend alles Nötige bereitstellen sollte.

Von edlem Vintage-Equipment über Modularsysteme bis zu Software-Synthesizern und Klangspielzeugen war alles vertreten, und genauso unterschiedlich wie das vorgestellte Instrumentarium waren auch die musikalischen Beiträge.

Die meisten Teilnehmer des Treffens rekrutierten sich aus dem sequencer.de-Synthesizerforum, aber auch ein paar örtliche Enthusiasten und Freunde aus dem Umland waren gekommen.

Sogar ein Techniker war vor Ort, der dankenswerterweise nicht nur die hervorragend klingende PA zur Verfügung stellte und die Performances mitschnitt, sondern auch mit Rat und Tat (sowie ein paar kleineren Reparaturen und Modifikationen von Instrumenten) aushalf.

Als erstes fielen natürlich die Vintage-Schlachtschiffe Oberheim OB-8 und Korg Mono/Poly ins Auge, die ein Teilnehmer mitgebracht hatte. Gemeinsam mit seinem musikalischen Partner, der ein Yamaha SK20 und einen Korg 770 spielte, spielte er ein an Berliner-Schule-Bands wie Tangerine Dream erinnerndes packendes Stück. Komplettiert wurde das Setup der beiden von einem Nord Lead A1 – alte und neue Instrumente sorgten gemeinsam für einen stimmigen Sound.

Drei Teilnehmer aus dem nahe gelegenen Münster waren mit zumeist modularem Equipment und modernen Grooveboxen angetreten und performten darauf ausgeklügelte Technobeats.

Aus Hannover kam ein Vertreter der Dark-Ambient-Fraktion, der hauptsächlich mithilfe von Software musizierte, aber auch Instrumente der aktuellen Boutique-Serie von Roland, ein sehr geräuschhaftes Instrument der amerikanischen Experimentalschmiede Folktek und ein mit einem Kontaktmikrofon versehenes Holzröllchen benutzte.

Der Gastgeber (und Autor dieses Artikels) hatte wie immer ein Sammelsurium aus zumeist missbräuchlich genutzten Spielzeugen, Effektgeräten, externen Filtern, aber auch richtigen Synthesizern wie einem Yamaha Reface CS und einem Meeblip Anode (gesteuert von einem Doepfer Dark Time) am Start. Auch ein „elektronisches Ohr“, ein Gerät zum Hörbarmachen magnetischer Kraftfelder, steuerte Geräusche bei.

Es war im Vorfeld nicht abgesprochen gewesen, aber von mehreren Teilnehmern wurden Klone der legendären Drummaschine TR-808 von Roland mitgebracht, namentlich die Yocto, die TR-8, die DrumStation und die Miami. Leider war keine originale TR-808 mit vor Ort, sodass der ultimative Vergleichstest nicht stattfinden konnte – von den Klonen schien aber die Yocto am nächsten am Original zu sein, da waren sich die anwesenden Experten recht einig.

Ansonsten gab es auf dem „Nerdlich der Mitte 2“ noch einen russischen Polivoks zu hören, ein klanggewaltiger Monosynth mit einem brutal übersteuernden Filter, einen Roland Jupiter-4, einen modifizierten Yamaha CS-15, einen Yamaha CS01II, einen JP-8000 von Roland und viele selbst zusammengestellte Modularsynthesizer mit ausgefuchsten Effektverschaltungen, die wohl nur die Spieler selbst wirklich verstanden, die aber allesamt höchst individuelle Sounds hervorbrachten.

Dass so relativ wenige aktive Teilnehmer (es waren tatsächlich weniger als zwanzig) eine so große Vielfalt an Instrumenten, Klängen und musikalischen Stilen mitbringen und aus all diesen ein so rundes Stimmungsbild der elektronischen Musikszene malen konnten, lässt für weitere Treffen dieser Sorte nur das Beste hoffen. Überhaupt lebt diese Art der Musikertreffen vom Miteinander, von den Fachgesprächen, dem Wiedertreffen alter Freunde und dem Kennenlernen neuer Menschen mit demselben Knall, wie man ihn selbst hat – „Endlich wieder normale Leute!“ war der Stoßseufzer vieler Besucher.

Das dritte „Nerdlich der Mitte“ ist für den 10.3. bis 12.3.2017 geplant – vorausgesetzt, dass die „Hollager Mühle“, die seit direkt nach dem Treffen für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt wird, bis dahin wieder zur Verfügung steht.

Viele weitere Fotos findet ihr im Blog von sequencer.de.

Links: Sequencer.de Blog – Nerdlich der Mitte