Rentenreformpaket

Das Rentenreformpaket: Berechtigter Protest oder übertriebene Reaktionen?

Das Rentenreformpaket von Ursula von der Leyen ist derzeit unter Selbstständigen in aller Munde. Viele befürchten durch hohe Rentenabgaben um ihre Existenz – ohne zu wissen, ob sie überhaupt von der Neuregelung betroffen sind.

Tim Wessels, seines Zeichens selbstständiger IT-Berater, hat die Vorreiterrolle übernommen und eine E-Petition gegen das Rentenreformpaket beim Bundestag eingereicht und bisher mehr als 30.000 Mitzeichner gefunden.

Das Rentenreformpaket umfasst Neuerungen bei der Zuschussrente, der Erwerbsminderungsrente, freiwillige Zusatzbeiträge, Reha-Budget, Kombirente, Finanzwirkungen, verbraucherfreundliches Riestern und die Altersvorsorge Selbstständiger.

In der Kritik steht nur die Altersvorsorge Selbstständiger. Durch Pflichtabgaben fühlen sich Selbstständige bevormundet, wollen sie doch selbst für ihre Zukunft sorgen.

Dass diese Aufgabe vielen Selbstständigen misslingt, wird dabei gerne verschwiegen. Selbst diejenigen, die privat vorsorgen, sehen im Laufe ihrer Selbstständigkeit oft die Notwendigkeit ihre private Vorsorge zu verkaufen um Liquiditätsproblemen entgegenzuwirken. Auch auf die Krankenversicherung wird gerne verzichtet.

Wem es aber auch dann noch nicht gelingt seine Selbstständigkeit aufrecht zu erhalten, fällt automatisch dem Staat zur Last – und das oft, ohne auch nur noch 1 Euro zu besitzen.

Wir sprechen hier nicht nur von einigen Hundert Euro Lebenskosten die der Staat pro Person pro Monat zu tragen hat, sondern auch noch von vielen, vielen Tausend Euro für Arztrechnungen.  Die Sanierung fauliger, weil vernachlässigter Zähne ist dabei nur die Spitze des Eisbergs und wird von verschleppten Krankheiten getoppt, deren Behandlung/Heilung schnell in den Hunderttausend-Euro Bereich ansteigt.

Und genau dem gilt es vorzubeugen, was Ursula von der Leyen mit dem Rentenreformpaket in Angriff nimmt.

Doch wer ist überhaupt davon betroffen? Künstler und Publizisten, sowie alle die in der Künstlersozialkasse versichert sind, sind nicht betroffen. Generell alle Selbstständigen, die über berufsständische Versorgungswerke abgesichert sind (z.B. Architekten, Ärzte und Rechtsanwälte), sind nicht betroffen.

Ebenso von der Neuregelung ausgenommen sind die 30-50 Jährigen, die bereits vorgesorgt haben oder noch vorsorgen. Jeder über 50 (egal ob vorgesorgt oder nicht) ist generell ausgenommen, und Selbstständige mit einem Einkommen bis max. 400 Euro pro Monat auch.

Bleiben also noch die <30 Jahre alten Selbstständigen. Doch auch die sind nicht gänzlich von der Neuregelung betroffen: Für die gern genannten Existenzgründer, die die Mehrbelastung nicht stemmen können, sieht der aktuelle Entwurf zur Rentenreform eine Beitragsfreiheit sowie anschließende Möglichkeiten der Ratenzahlung vor.

Solange bei der Umsetzung der Rentenreform darauf geachtet wird, dass die Beitragsfreiheit für Existenzgründer ohne Hürden in Anspruch genommen werden kann, sehe ich keinen Grund zur Beschwerde über das Rentenreformpaket. Darum habe ich die E-Petition nicht unterzeichnet, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren – Zeit ist noch bis zum 22. Mai 2012.

Wie seht ihr die Pläne der Bundesregierung in Sachen Altersvorsorge für Selbstständige? Seid ihr betroffen? Ich bin gespannt auf eure Meinung(en).

Links: BMAS – Rente – Rentenreformpaket, E-Petition zum Rentenreformpaket (leider offline)