Dolby Atmos Surround Pan-through array

Dolby veröffentlicht das neue Surround Format „Atmos“.

Mit dem neuen Surround Format Atmos hat Dolby gleich mehrere Nägel auf den Kopf getroffen und mit einem Schlag versenkt. Atmos erlaubt die diskrete Speisung von bis zu 64 Lautsprechern im Kinosaal und eröffnet so eine neue Welt für Re-Recording Mixer im Filmbereich.

Das erlaubt z.B. die separate Ansteuerung von Deckenlautsprechern für vorbeifliegende Hubschrauber, die nicht mehr nur links/rechts bzw vorne/hinten fliegen können, sondern auch hörbar über den Köpfen der Zuschauer schweben können.

Um nur einige weitere interessante Beispiele für Deckenlautsprecher zu nennen: Gewittersounds, Vögel, fliegende Bälle, Schrittgeräusche des Meuchelmörders auf dem Dachboden, usw…

Die Dolby Atmos Software erlaubt die freie Positionierung im Raum in einem 3D Modell und soll sich problemlos in bestehende Audioproduktionsumgebungen integrieren lassen. Ob als Standalone Software und/oder Plugin und zu welchem Preis hat Dolby bisher nicht öffentlich bekanntgegeben.

In diesem gut illustrierten Video stellt Dolby Atmos vor:

Natürlich kann sich nicht jedes Kino 64 Lautsprecher leisten (zumal ja jeder Lautsprecher separat angesteuert werden muss, was die Hardwarekosten pro Lautsprecher drastisch erhöhen kann). Daher hat Dolby Atmos so gestaltet, dass es sich an das Playback System adaptiert.

Das Dolby Atmos Dateiformat enthält alle erzeugten Mix-Versionen von 2.0 bis 62.2 in nur 1 Datei. Dadurch umgeht Dolby nicht nur Kompatibilitätsprobleme in Kinosälen, sondern ermöglicht deren Betreibern auch ein einfacheres Handling der zu verwaltenden Dateien.

Könnte wahrhaft dreidimensionales Audio der Faktor sein, der die Kinosäle wieder füllt? 3D Video hat bisher nicht für die erhofften Zuschauerströme gesorgt und steht bereits jetzt in vielen Wohnzimmern in gleicher, wenn nicht gar besserer Bildqualität als im Kino zur Verfügung.

64 Lautsprecher werden sich aber wohl nur die wenigsten Heimkinobetreiber installieren, zumal an jedem Lautsprecher weitere Kosten für die Hardware zur Bespeisung hängen. Damit hätten Kinosäle wieder ein Alleinstellungsmerkmal, das in der Lage ist die Filmstimmung noch intensiver auf die Zuschauer zu übertragen.

Das setzt natürlich eine intensive Nutzung in Filmen und eine optimale Anpassung der Lautsprecherpositionen an den Kinosaal voraus. Dann aber könnte Dolby Atmos für einige nasse Hosen in Horrorfilmen sorgen. Ich bin gespannt.

Links: Dolby Atmos

4 Kommentare
    • Nils
      Nils says:

      Ich nehme an du beziehst dich auf Anymix, siehe auch hier. Allerdings vergleichst du ein Fake-Upmix Tool welches maximal bis zu 8.1 Lautsprecher ansprechen kann (Anymix) mit einem dedizierten Surround Format, das bis zu 62.2 Lautsprecher diskret anspricht (Dolby Atmos). Wenn also eines von beiden kalter Kaffee ist, dann aus meiner Sicht doch eher Anymix. Wie kommst du zu deiner Meinung?

      • plyone
        plyone says:

        Da muss ich widersprechen. Anymix ist zwar ein Produkt von IOSONO, aber der IOSONO IPC100 ist ein Wellenfeldsynthese-Renderer der dem Dolby-System ebenbürtig ist (zumindest technisch). IOSONO hat leider nicht annähernd die gleiche Marktmacht wie Dolby.
        Dolby ist zwar absolut ernst zunehmen, aber das Fraunhofer/IOSONO-System hab ich schon 2004 auf der Cebit gehört. Darum ist Atmos quasi „kalter Kaffee“.

        • laudee
          laudee says:

          Wie du sagst, IOSONO beruht auf Wellenfeldsynthese – Dolby Atmos jedoch nicht. Insofern lassen sich die zwei Systeme und ihre jeweiligen Prozessoren, ausser natürlich dass beide viele Lautsprecher ansteuern können, eher schlecht vergleichen. Durch die diskrete Ansteuerung aller Kanäle, die Deckenlautsprecher und den zweiten Subwooferkanal hinten bekommt man im gewohnten Kinoumfeld schon einen Sound, der echt Spaß macht..
          Nicht zu vergessen, dass Dolby als ‚Marktmacht‘ (Leider bleiben also die Lizenzgebühren..) das ganze in den Industrieworkflow einbinden konnte (Kompatibilität zu 5.1/7.1 z.B. hat man mit IOSONO nicht).

Kommentare sind deaktiviert.