Violinen Blindtest - Wer hoert den Unterschied

Klingen alte Instrumente wirklich besser als neue?

Dem Schweizer Holzforscher Prof. Francis W. M. R. Schwarze will es mit Hilfe von Pilzkulturen gelungen sein, das Holz einer Geige in seiner Beschaffenheit so zu verändern, dass der Klang des Instruments dem einer Stradivari zum Verwechseln ähnlich ist.

Antonio Stradivari verwendete zum Bau seiner berühmten Instrumente ein Holz, dass durch lange Winter und kühle Sommer besonders langsam und gleichmäßig wuchs, so dass es eine hohe Dichte und Biegefestigkeit aufweist. Prof. Schwarze entdeckte jetzt eine Pilzkultur, die die Holzsorten Ahorn und Fichte so zersetzen soll, dass es die Klangqualitäten des von Stradivari verwendeten Holzes aufweist.

Aber klingen alte Instrumente wirklich besser als neue Instrumente? In einem Blindtest bekamen professionelle Violinisten 6 Violinen in die Hand: 2 Stradivaris, 1 Guarneri und 3 moderne Instrumente. Sie sollten rein vom Klang und Spielgefühl her unterscheiden, welche Instrumente neu und welche alt sind.

Von 17 Teilnehmern schafften es nur 3 die richtige Herstellungszeit der Instrumente zu bestimmen (alt oder neu), 7 gaben bereits beim Spielen der Instrumente an, dass sie die Violinen nicht unterscheiden können.

In einem Artikel auf npr.org finden sich 2 direkt abspielbare Aufnahmen von 2 Violinen (neu und alt) zum Vergleichen. Die Lösung, welche Aufnahme von welcher Violine ist, findet ihr ganz am Ende des Artikels.

Links: Pilzbehandlung von Prof. Schwarze, Blind-Test Violinenklang

4 Kommentare
  1. JochenG
    JochenG says:

    Also ich habs mir mal über meine Monitore angehört und das Gefühl gehabt, dass die höheren Noten bei dem 2. einfach abgerundeter klingen und hatte somit richtig getippt. Klingen beide Versionen sehr ähnlich, dennoch find ich, dass es im A/B-Vergleich leichte unterschiede gibt. Gut, es ist sehr subtil und ich könnte es mir nur eingebildet haben, aber mein Tipp war auf jedenfall richtig. Allerdings bin ich kein Violinspieler und hab von diesem Instrument wenig bis gar keine Ahnung. Wie gesagt, klangen für mich bei dem 2. Beispiel die Höhen einfach abgerundeter und wärmer und so interpretierte ich die bessere Violine dahinter.
    Ohne A/B-Vergelich kann ich mir aber nicht vorstellen, dass man da raushört, welche die Strad ist und welche die moderne.

    • Nils
      Nils says:

      Hi Jochen, es ging mir genau wie dir, nur dass ich den Unterschied wohl noch einen Tick geringer einschätzte als du (allerdings habe ich auch über Kopfhörer gehört). Noch schöner wäre es gewesen, gleich mehrere Vergleichsaufnahmen zu haben um sehen zu können, ob man immer richtig liegt oder ob es nur Glück war, dass man richtig lag. Ich bin mir nämlich nicht sicher ob ich bei 5 Vergleichstests auch 5 x richtig gelegen hätte.

  2. DaSa
    DaSa says:

    Schwierige Frage….

    Wie ihr Beide, habe auch ich auf 2 getippt.
    Ich fand den Klang etwas „rauher und aggressiver“ als bei der 1.

    Das wären die Merkmale, die ich am ehesten einem 200 Jahre alten Instrument zuordnen würde.

    Hab mir jedes Beispiel 2x über meine Monitore angehört und war mir erstmal nicht ganz sicher.
    Aber im 2. Durchgang kam der subtile Unterschied raus.

    Ich bezweifle allerdings, daß ich sowas aus 10 Beispielen raushören könnte. Bei 2 ist halt die Chance auch 50:50

    DaSa

  3. Mathias
    Mathias says:

    Mir fiel der kleine Unterschied gleich beim ersten Durchlauf auf. Und zwar an dem kurzen Lauf bei Sekunde 5-6. Die zweite Aufnahme hat dort einen deutlich kratzigeren Ton im Anstrich und sie klingt für mich im allgemeinen irgendwie nasaler. Allerdings war ich mir nicht sicher welches Instrument ich welcher Aufnahme zuordnen soll, da man ja eigentlich eine Stradivari als das Maß der Dinge ansieht. Ich habe mich dann an eine Dokumentation über Stradivari erinnert, in der Sie genau den selben Test gemacht haben. Bei diesem Test fanden die meisten Probanden den Klang der neueren Geige als angenehmer. Da ich selbst ebenso den Klang der ersten Aufnahme als runder und wärmer empfunden habe, entschied ich mich für die richtige Zuordnung.
    Auch in unserer Zeit sind die Geigenbauer durchaus dazu in der Lage gute Instrumente zu bauen…Wer weiß, was die in 200-300 Jahren wert sind. ;-)
    Mathias

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