Leere Werbeversprechen von Presonus article

Neues Studio One Werbevideo lockt mit leeren Versprechungen!

Hersteller von Tontechnik Hard- und Software lehnen sich gerne mal zu weit aus dem Fenster und verprechen dem potentiellen Kunden Funktionen, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Im neuen Werbevideo von Studio One begeht auch Presonus den Kardinalsfehler und verspricht „eine breitere Stereoabbildung mit einem punchy Sound und mehr Tiefe“. Der Grund dafür sei der rundum neu geschriebene Programmcode von Studio One. Die Verantwortung für die Aussage schiebt Presonus den Studio One Nutzern zu.

Insbesondere Tontechnik-Einsteigern möchte ich ans Herz legen, auf solche Aussagen keinen Wert zu legen oder sie zumindest zu überprüfen. Denn sollte Studio One den Klang wirklich selbständig verändern, wäre das fatal und ein klarer Grund nicht mit Studio One zu arbeiten.

Schließlich soll nicht die DAW den Klang bestimmen, sondern der Tontechniker, der die DAW bedient.

Update/Erläuterung: Eine DAW ist ein Arbeitswerkzeug, das dem Anwender die Bearbeitung von Audio(dateien) ermöglichen soll. Dabei muss! bei einer professionell nutzbaren DAW der Sound neutral abgespielt werden. Jegliche Veränderungen, die nicht vom Anwender vorgenommen werden, erschweren die Arbeit mit einer DAW ungemein.

Wenn eine DAW alles breit oder fett oder punchy machen würde, wie erreicht man mit dieser DAW den entgegengesetzten Sound? Wenn man z.B. eine Stereo-Aufnahme im Mix eher schmal anlegen möchte, muss man dann als Studio One Nutzer erst die DAW wechseln?

WENN Studio One wirklich breiter oder tiefer klingen sollte, dann wäre das wunderbar – aber nur wenn diese Klangeigenschaften regelbar und komplett vom Anwender deaktivierbar wären.

Die Zeiten, in denen die Audio Engines der DAW’s sich unterschieden, sind vorbei (wenn es sie denn je gab). Ob Studio One, Cubase, Pro Tools oder Logic & Co – ein „neuer“ Programmcode mag für mehr Stabilität, eine höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit oder niedrigere Ladezeit sorgen. Aber was die Verarbeitung von Audio angeht gibt es nur schwarz oder weiss, richtig oder falsch, neutral oder nicht.

Solche Aussagen wie die von Presonus zielen nicht darauf ab uns Anwendern einen objektiven Blick auf Studio One zu verschaffen, sondern dienen der Verunsicherung Anwender anderer DAW’s und nähren Fragen wie „Ist meine DAW die beste DAW, mit der ich arbeiten kann?“ oder „Schränkt meine DAW mich im Klang ein, muss ich vielleicht eine andere DAW benutzen um diesen fetten, breiten und tiefen Mix zu erzielen?“

Die Antwort ist ein klares „Nein, du brauchst keine andere DAW“.

Nebenbei sei noch erwähnt, dass bekannte Sprüche wie „Hast du doch mit FL Studio erstellt, kann ich hören“ nicht auf die allgemeine Klangqualität schließen, sondern auf den Wiedererkennungswert interner Klangerzeuger bzw Sample Librarys der jeweiligen DAW. /Update

@Presonus: FAIL (@ 0:30 Minuten)!

Mit diesem Beitrag geht es mir nicht darum von der Nutzung von Studio One abzuraten. Im Gegenteil, ich habe Studio One bereits mehrmals getestet und kann die DAW (wie fast jede andere DAW) nur empfehlen. Studio One wird seit einigen Wochen auch als kostenlose, zeitlich nicht limitierte Version von Presonus zum Download angeboten.

Falsche Werbeversprechen, die insbesondere den unwissenden Einsteiger in die Irre führen, kann ich aber nicht gut heißen und hinterlassen bei mir einen bitteren Nachgeschmackt.

Seid ihr auch schon auf Tontechnik-Werbeversprechen gestoßen, die nichts mit der Realität zu tun haben?

Links: Presonus Studio One